Tanzt
Tanzt, tanzt, tanzt
ins unbekannte Ich,
Rhythmus balanciert das Sein,
Tanz versenkt die Umgebung,
Tanz sprengt alle Persönlichkeiten,
jeder im Raum spürt dich.
Michael Beisteiner

Undurchschaubar scheint uns unser Geist. Umso größer ist die Faszination, wenn das innere Licht in unserem Inneren in einem kurzen Moment in unerwarteten, schillernden Farben hindurchschimmert. Die Entdeckung der eigenen Vielschichtigkeit und des eigenen Unterbewusstseins ist eine Art Suche nach Vollkommenheit. Das bewusste Ich sehnt sich nach dem unterbewussten Ich, um sich mit Ihm zu vereinen. Durch den individuellen Tanz werden die beiden Hälften des Ichs zusammengeführt. Der Mensch wird eins mit der Musik und die Grenzen zwischen bewusst und unterbewusst verschmelzen.

Um den individuellen Gestus und das Unterbewusste meiner Tänzer nach außen zu kehren und abzulichten entwickelte ich ein Konzept. Ich lud meine Modelle ein in einem abgedunkelten Studio zu ihrer Lieblingsmusik zu tanzen. Dabei war ich für die Tänzer unsichtbar und störte sie daher nicht bei ihren natürlichen Tanzbewegungen. Durch eine Langzeitbelichtung erhielt ich abstrakte, geisterhafte Ausdrucksformen ihrer ganz persönlichen, unterbewussten Bewegungen beim Tanz. Durch die unterschiedlichen Kleidungsfarben, Musikgeschmäcker und Bewegungen der Tänzer entstanden so einzigartige Fotografien. Die sphärisch wirkende Serie hat durch die abstrakte Darstellung der unterbewussten, schwungvollen Bewegungen der Personen außerdem eine weitere visuelle Ebene. Gesichter, Drachen, Feuerbälle, Meerjungfrauen, glitzerndes Wasser Sterne und phantasievolle Zwischenwelten, welche durch die Formen und Farben sichtbar. Somit zeigt die Arbeit nicht nur das Herauskehren des versteckten, unterbewussten Ichs meiner Tänzer visuell, sondern regt durch die Abstraktion der Fotografien auch die unterbewusste Seite des Betrachters an.